Keine großen Sprünge im All

"Weltraumtage" im Schuldorf Bergstraße

szeh. SEEHEIM-JUGENHEIM. "Ich will Astronaut werden." Schüler mit diesem Berufswunsch sind bei den "Weltraumtagen" im Schuldorf Bergstraße genau richtig. Mit Unterstützung des Lions-Clubs Seeheim und der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA) finden dort Vorträge zu Raumfahrt und Astronomie für Schüler und Interessierte, aber auch Lehrerfortbildungen zum Thema Weltraum statt. So hat der frühere Astronaut Reinhold Ewald am Donnerstag von seinem Berufsalltag erzählt.


Den Kosmos im Blick: Schüler bei den Weltraumtagen FOTO: MICHAEL KRETZER

Wenn Ewald die "urgewaltigen" Kräfte bei einem Raketenstart sehe, laufe ihm der Schauer noch heute über den Rücken. Ewald war 1997 selbst als Astronaut zweieinhalb Wochen lang auf der Raumstation MIR, und er riet davon ab, in der Schwerelosigkeit zu springen: "Der Rückstoß ist dabei viel zu groß." Bis heute ist Ewald der Raumfahrt verbunden: Der ehemalige Astronaut arbeitet bei der europäischen Weltraumagentur (ESA) und war auch in der Bodenkontrolle an der jüngsten Mission auf der Internationalen Raumstation beteiligt. Laut Ewald ist die Chance, Astronaut zu werden gering, "der Weg dahin ist aber für sich auch schon lohnend". Joachim Krahl, Präsident des Lions-Clubs Seeheim, machte den Schülern trotzdem Mut: "Warum sollte in Zukunft nicht ein Astronaut aus dem Schuldorf kommen?"

Rund 700 Schüler entwarfen grüne Männchen und Raketen für den Malwettbewerb "Leben im All". Birgit, Schülerin der zehnten Klasse, zeichnete mit Bleistift einen Jugendlichen, der aus dem Fester blickt. Am Nachthimmel steht jedoch nicht der Mond, sondern die Erde. Zwei Teilnehmer gewannen für ihre Klassen sogar einen Ausflug zur Astronautenschule der Europäischen Welraumorganisation in Köln.

Auf der dreitägigen Ausstellung informieren mehr als 20 Unternehmen, Vereine, Verlage und Schülergruppen über die Astronomie. Teleskope sind zu bestaunen, die ESA steuerte ein übermannsgroßes Modell der Rakete Ariane und eine Satellitennachbildung bei. Hinter einer Nachbildung des Sonnensystems, dessen Planeten sich automatisch um die Sonne drehen, vertreten die 14 Jahre alten Realschülerinnen Karolin und Hannah die Astronomie-AG des Schuldorfs. "In der AG haben wir immer viele Fragen", so Hannah. "Zum Beispiel, was schwarze Löcher sind", fügte Karolin hinzu, "das kann man sich ja kaum vorstellen." Die 15 Nachwuchsastronomen der AG können Teleskope zur Sternbeobachtung nutzen, und bald soll ein Sonnenteleskop hinzukommen. "Unser Ziel ist eine schuleigene Sternwarte", erzählt der Schulleiter Ronald Seffrin.

Von 14 Uhr an tagt heute die DGSA im Schuldorf, deren Vorsitzender Christian Wolff ist. Die DGSA setzt sich dafür ein, dass Astronomie ein eigenständiges Unterrichtsfach wird. "In Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist das so", sagte Wolff. In Hessen werde Astronomie nur bruchstückhaft in mehreren Fächern unterrichtet.

Heute ist die Ausstellung in der Aula von 9 Uhr an geöffnet. Von 17 Uhr an finden stündlich öffentliche Vorträge über Astronomie und Raumfahrt statt, und von 20 Uhr an wird bei klarem Himmel in einer "Star Party" durch die Teleskope geguckt. Laut Wolff sind alle Vorträge auch für für Anfänger geeignet: "Dieses Gebiet lebt schließlich von der Amateur-Astronomie." Das vollständige Programm ist unter www.weltraumtage.de abrufbar.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2008