|
Unendliche Weiten – hautnah
Bergsträßer Weltraumtage: Zum dritten Mal im Schuldorf Bergstraße
Seeheim-Jugenheim (red). Im kommenden Jahr jährt sich der erste bemannte Weltraumflug zum 50. Mal. Und die Weiten des Weltraums haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Das zeigt auch das Programm der Bergsträßer Weltraumtage, die von Donnerstag bis Samstag, 18. bis 20. Februar, am Schuldorf Bergstraße veranstaltet werden. Ausrichter ist wieder die "Deutsche Gesellschaft für Schulastronomie e. V." (DGSA) in Kooperation mit dem Lions-Club Seeheim an der Bergstraße. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für das Thema Naturwissenschaften und moderne Zukunftstechnologien zu begeistern. Ein Programm für die ganze Familie: Neben Theater, Lesungen und Spielen für
Kinder am Vormittag gibt es nachmittags und abends leicht verständliche Vorträge, für die keine Vorkenntnisse
nötig sind.
Donnerstag, 18. Februar
Die Astromesse, die am Donnerstag ab 15 Uhr geöffnet ist, richtet sich an Jung und Alt. Verschiedene Aussteller
wie die Europäische Raumfahrtagentur ESA, die European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites (EUMETSAT) oder das Einsteinmobil von der Stiftung Interaktive Astronomie und Astrophysik zeigen interessante Experimente und geben Einblick in die neuesten Entwicklungen der Raumfahrt. Jeden Abend gibt es ab 21 Uhr eine Star-Party, bei der die ganze Familie die Sterne beobachten kann, vorausgesetzt das Wetter spielt mit und der Himmel ist klar.
Freitag, 19. Februar
Der Freitag steht im Zeichen der Schüler, die diesen Tag organisiert haben. Das Programm startet um 9 Uhr mit einem Theaterstück für die Klassen 1 bis 6. Anschließend gibt es mehrere Schülervorträge zum Sonnensystem, der Gravitation oder den bemannten Apollo-Missionen. Ab nachmittags, 15 Uhr, steht eine Diskussion zum Thema "Mythos 2012
– Kommt der Weltuntergang?" auf dem Programm. Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Dr. Oliver Dreissigacker und Oliver Debus von der DGSA hinterfragen den Mythos 2012, der auf eine Prophezeiung der Maya zurückgeht und das Ende
der Welt voraussagt. Die beiden Experten erläutern, wie wahrscheinlich die Untergangs-Szenarien der Maya durch auf die Erde zurasende Planeten oder gefährliche Strahlen aus dem All tatsächlich sind.
Moritz Pohl etwas über "Gammablitze – Todesstrahlen aus dem All". Diese gebündelten, hoch energetischen Strahlen, vor 37 Jahren entdeckt, bereiten der modernen Astronomie noch immer Kopfzerbrechen. Pohl erklärt, was wirklich dran ist an hellen Blitzen, die auf die Erde niedersausen und innerhalb von Sekunden jegliches Leben auslöschen.
Um 19 Uhr referiert Gunnar Glitscher von der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt über "Raum und Zeit – ein kosmisches Rätsel". Er erklärt auf anschauliche Weise, welche Bedeutung die Begriffe Raum und Zeit bei der Beschreibung physikalischer Vorgänge haben.
Markus Landgraf von der ESA wird ab 20 Uhr über "Gegenwart und Zukunft der europäischen Raumfahrt" sprechen. Er berichtet von neuesten Erkenntnissen wie geheimnisvollen organischen Gasen auf dem Mars oder exotischen Planeten in unserer galaktischen Nachbarschaft. Außerdem stellt er zukünftige Weltraumteleskope und Pläne für Marsmissionen vor.
Samstag, 20. Februar
Der Samstag beginnt um 10 Uhr mit einem literarisch-astronomischen Quartett mit Schülern der Klasse 6 zum Thema "Streifzüge durch das All". Um 12 Uhr folgt das große Astro-Quiz, bei dem jeder Zuschauer im Publikum spontan teilnehmen kann. Matthias Busch von der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim wird um 15 Uhr von "Asteroiden – Gefahr aus dem All?" berichten. Die meisten dieser Himmelskörper kreisen zwischen Mars und Jupiter. Doch einige können auch der Erde gefährlich nahe kommen. Matthias Busch stellt die verschiedenen Arten von Asteroiden vor und geht auf die Beobachtungstechnik ein, mit der die Asteroiden aufgespürt und verfolgt werden. Um 16 Uhr klärt Oliver Debus über "Science Fact und Science Fiction" auf. Er nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Science Fiction-Welt der letzten Jahrzehnte und zeigt auf, wie die Welt von morgen aussehen könnte, wenn Science Fiction von gestern zur Wirklichkeit von morgen geworden ist.
Anschließend erklärt Stephan Heinsius um 17 Uhr in seinem Vortrag "Im Banne der kosmischen Schatten", welche Vorbereitungen für die Fotografie von Sonnen- und Mondfinsternissen getroffen werden müssen. Außerdem erläutert er, welche Ausrüstung am besten verwendet wird. Der letzte Vortrag der diesjährigen Weltraumtage ist um 20 Uhr zu hören. Gernot Meiser lädt die Besucher der Weltraumtage zu einem Multivisionsvortrag zum Thema "The World at Night" ein. Darin zeigt er Fotos und kurze Videosequenzen von himmlischen Phänomenen und dem Sternenhimmel über weltweiten Sehenswürdigkeiten.
Armageddon? Ja, aber später
Bergsträßer Weltraumtage: Sieben Fragen an Space-Profi Christian Wolff
Seeheim-Jugenheim (red). Christian Wolff ist Präsident der "Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie"
(DGSA) in Bensheim und unterrichtet auch am Schuldorf Bergstraße. Er kennt sich bestens aus mit den unendlichen Weiten.

Die Welt werde untergehen, sagt Christian Wolff, aber noch nicht heute und auch nicht im nächsten Jahr. Foto: ArchivHerr Wolff, wann geht die Welt unter?
Die Welt geht tatsächlich unter – aber noch nicht heute und auch nicht im Jahr 2012, wie ein aktueller Kinofilm
vermuten lässt. Vielmehr haben wir sogar noch geschätzte fünf Milliarden Jahre Zeit, bis sich unsere Sonne zu einem roten Riesenstern aufbläht und unseren Planeten röstet.
Menschen landeten auf dem Mond, Sonden auf dem Mars. Welcher Himmelskörper kommt als nächster an die Reihe?
Nach und nach wird die Menschheit alle lohnenswerten Reiseziele unseres Sonnensystems erkunden. Kleiner Tipp am Rande: Welche Ziele die Europäische Weltraumagentur als nächstes ins Visier nimmt, erläutert uns ESA-Missions-Analytiker Dr. Markus Landgraf am Freitag, 19. Februar, auf den Bergsträßer Weltraumtagen.
Was gibt es noch Spannendes aus dem All zu berichten?
Wir leben in einer äußerst spannenden Zeit. So werden seit einigen Jahren immer mehr Planeten entdeckt, die fremde Sterne umkreisen, bislang mehr als 400. Ganz aktuell gelang es Forschern erstmals, die Atmosphäre eines solchen Exo-Planeten zu untersuchen – ein ganz wichtiger Schritt auf der Suche nach außerirdischem Leben.
Warum sollten wir uns für das All interessieren, wenn es auf Erden schon genug Probleme gibt?
Weil Neugierde und Forscherdrang in der Natur des Menschen liegen. Wo wären wir heute, wenn sich unsere Vorfahren nicht auf abenteuerliche Expeditionen in ferne Länder und Kontinente begeben hätten? Es steckt einfach in uns, unseren Horizont zu erweitern, unser Wissen zu mehren, über den Tellerrand hinausschauen zu wollen.
Was bezwecken Sie mit den Weltraumtagen?
Mit den Weltraumtagen möchten wir Astronomie und Raumfahrt erlebbar machen und unseren Kindern und Jugendlichen
näherbringen, sie dafür begeistern, andererseits auch eine unverständliche Lücke in unseren Lehrplänen schließen.
Für welche Zielgruppe sind die Weltraumtage gedacht?
Für alle Interessierten zwischen 1 und 100 Erdenjahren. Vorwissen benötigen unsere Besucher nicht. Und noch etwas: Der Besuch der Weltraumtage ist garantiert kostenlos.
Wo erfahren unsere Leser mehr?
Alle Informationen und das aktuelle Programm finden Sie auf der Website www.weltraumtage.de.
Herr Wolff, vielen Dank für das Gespräch.
© Der BERGsträsser, 17.02.2010
|