VON MORITZ POHL
Ein heller Blitz am Himmel! Binnen Sekundenbruchteilen heizt sich die Erdatmosphäre um Tausende Grad Celsius auf. Augenblicklich verglüht alles Leben auf dem Planeten.

Gammablitze setzen ungeheure Energiemengen in zwei eng gebündelten Strahlenkanälen frei. GRAFIK: NASA
So oder ähnlich werden meist die Folgen eines Phänomens dargestellt, von dem die Menschheit erst seit wenigen Jahren etwas weiß: den Gammastrahlenblitzen (engl. Gamma Ray Burst, kurz GRB) aus dem Universum. Binnen zehn Sekunden setzen sie so viel Energie frei wie die Sonne in einer Milliarde Jahre. Entdeckt wurden sie erst vor 37 Jahren, dank der Satellitentechnik. Mittlerweile gibt es ausgefeilte Theorien über die Herkunft dieser stark gebündelten, hochenergetischen Strahlen. Forscher vermuten, dass kurze Gammastrahlenblitze, die höchstens zwei Sekunden dauern, bei der Kollision von Neutronensternen entstehen. Lange Blitze, die im Mittel 30 Sekunden andauern, aber auch mehrere Minuten strahlen können, haben dagegen ihren Ursprung wahrscheinlich in Sternexplosionen, so genannten Supernovae oder deren größeren Geschwistern, den Hypernovae.
Gammastrahlenblitze sind beängstigend
Beängstigend sind die Gamma strahlenblitze, weil ihre freiwerdende Energie gebündelt in zwei engen Strahlenkanälen jeweils an den gegenüberliegenden Punkten der Kollisions- und Explosionsherde austritt. Durch diese Kanalisierung erreichen sie im Mittel eine Energiemenge, die dem Zweihundert-Trilliardenfachen (einer Zahl mit 13 Nullen) dessen entspricht, was die gesamte Menschheit in einem Jahr an Energie verbraucht.
Dass die Erde noch immer existiert, obwohl sie - wie man heute weiß - nahezu täglich von einem Gammastrahlenblitz getroffen wird, hat zwei schlichte Ursachen: Die Strahlungsquellen liegen zu weit entfernt, und die Erde wird von den Strahlenbündeln nur gestreift. Die Strahlung wird von der Atmosphäre absorbiert und kommt dem Erdboden nicht näher als etwa 20 Kilometer, weshalb sie erst mit Satellitentechnik entdeckt wurden.
Einmal allerdings hat möglicherweise ein Gammastrahlenblitz die Erde aus relativ kurzer Entfernung getroffen: Vor etwa 450 Millionen Jahren, in der Periode des Ordovizium, als plötzlich 50 Prozent aller Organismen verschwanden.In Fossilien aus dieser Zeit haben Forscher eine erhöhte Konzentration von Stickoxiden nachweisen können. Da Stickoxide auch entstehen, wenn Gammastrahlen auf die Atmosphäre treffen, schließen einige Forscher daraus auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem damaligen Massensterben und einem Gammastrahlenblitz. Angeregt durch diese Theorie veröffentlichten 2004 amerikanische Astrophysiker eine Studie zur Auswirkungen eines Gammastrahlenblitzes auf die Erde. Sie kamen zu dem Schluss: Die Ozonschicht auf der betroffenen Erdseite wird vernichtet, der Blitz und das nun ungefilterte Sonnenlicht verbrennen die Erde großflächig. In der Folge sterben ein Großteil der dem Blitz ausgesetzten Menschen und Lebewesen und die weltweite Nahrungsmittelerzeugung bricht zusammen. In der Folge dieser Katastrophe kommen neunzig Prozent der Menschen ums Leben.
So weit das theoretische Katastrophen-Szenario. Dennoch muss sich niemand Sorgen machen, denn die selben Wissenschaftler haben ausgerechnet, wie unwahrscheinlich dieses Szenario ist. Dazu müssten nämlich mehrere Bedingungen erfüllt sein: Die Blitze müssen die Erde zentral treffen, und sie müssten ihren Ursprung innerhalb weniger tausend Lichtjahren um den Planeten haben, was im hiesigen Milchstraßensystem ein ausnehmend kleiner Bereich ist.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gammastrahlenblitz die Erde trifft, geht nach den Berechnungen der Forschergruppe gegen Null - für alle Zeiten.
3. Weltraumtage
Moritz Pohl, Autor dieses Beitrages, ist Physiker, Mitglied des Physikalischen Vereins und Referent bei den 3. Bergsträßer Weltraumtagen der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA) am Schuldorf Bergstraße, SeeheimJugenheim ( www.weltraumtage.de).
"Mythos 2012 - Kommt der Weltuntergang?" ist das Thema am 19. Februar. Ab 15 Uhr erklären die DGSA-Mitglieder Oliver Dreissigacker und Oliver Debus, wie viel Wahrheit in diesem Hollywood-Film steckt. Um 17 Uhr folgt der Vortrag von Moritz Pohl "Gammablitze - Todesstrahlen aus dem All". Über "Gegenwart und Zukunft der europäischen Raumfahrt" referiert Markus Landgraf, Mission Analyst der ESA, ab 20 Uhr.
Am Samstag, 20. Februar, 15 Uhr, erklärt Matthias Busch (Sternwarte Heppenheim), wie gefährlich Asteroiden wirklich für die Erde sind. Oliver Debus berichtet um 16 Uhr über "Science Facts und Science Fiction". Um 20 Uhr folgt der Multimediavortrag "The world at night".
Alle Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.
© Darmstädter Echo, 16.02.2010
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