SEEHEIM-JUGENHEIM. Umgeben von Planetenmodellen, Miniaturraketen und undurchschaubar anmutendem technischen Gerät fühlen sich die Besucher in dem dunklen Saal fast ein wenig, als seien sie selbst im Weltall gelandet. An diesem Donnerstagnachmittag beginnen in der Aula des Schuldorf Bergstraße die dritten Bergsträßer Weltraumtage. Ein Höhepunkt ist ein Vortrag von ESA-Astronaut Gerhard Thiele (56), der über die bemannte Raumfahrt spricht.

Ein Modell der Ariane-Rakete erläuterte der ESA-Astronaut Gerhard Thiele bei den Bergsträßer Weltraumtagen im Seeheimer Schuldorf Bergstraße dem Publikum. FOTO: GÜNTHER JOCKEL
Für ihn war es eine Bilderbuchgeschichte: Schon als Jugendlicher sei sein Traumberuf Astronaut gewesen. Im Jahr 2000 reiste er in einem amerikanischen Space-Shuttle rund um die Erde. Gekommen sei es dazu "durch eine Verkettung glücklicher Umstände." Thiele wirkt zurückhaltend, schmückt sein Abenteuer im All nicht aus. "Genau heute, vor zehn Jahren waren wir oben", sagt er. "Am 11. Februar sind wir gestartet und am 22. Februar wieder gelandet." Nur eineinhalb Stunden dauere eine Runde um die Erde.
Aufzeichnungen mit dem Radarsensor
Ziel der Shuttle Radar Topography Mission, kurz SRTM-Mission, war die dreidimensionale Aufzeichnung der Erde mit einem Radarsensor am Shuttle. Am 18. Februar 2000 war die Mission gerade "in einer kritischen Phase", wie Thiele erzählt. "Da lief gerade alles gut und wir mussten aufpassen, dass wir nicht leichtsinnig wurden."
Heute ist Thiele Leiter der Astro nautenabteilung im Europäischen Astronauten-Zentrum in Köln. Rückblickend auf seine Zeit als Astronaut sagt er: "Das waren keine 23 Jahre Hochgefühl, aber ich würde den Beruf jederzeit wieder ergreifen." Die Raumfahrt sei etwas ganz besonderes. Heute sieht er ein wichtiges Ziel in der Auswahl neuer Astronauten. "Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, sechs ganz herausragende Europäer zu finden, die nun die Zukunft der Raumfahrt mitgestalten werden." Die Weltraumtage seien eine Gelegenheit, die Erfahrungen mit dem All an junge Menschen weiterzugeben. "Man sollte nicht seine Neugierde verlieren und niemals aufhören zu fragen: Warum?"
Viele Fragen hatten die Kinder, für die die Modelle besonders interessant waren. Zum Beispiel die Ariane-Rakete. "Sitzen dann da oben die Menschen drin?" fragte ein kleiner Blondschopf. Mit dem Zeigefinger erreichte er kaum den Modellsockel. "Nein, noch fliegen keine Menschen damit", klärt der einer der Aussteller auf. "Die Rakete bringt nur Satelliten in ihre Umlaufbahn."
Die deutsche Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA) organisiert die Aktionstage zusammen mit dem Lions Club Seeheim. Zu den Ausstellern gehört neben der European Space Agency (ESA) auch die Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt, die DGSA und die Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim.
Für kleine und große Weltrauminteressierte geht das Programm am Samstag (20.) mit dem Astro-Quiz um 12 Uhr, Vorträgen wie "Science Fact und Science Fiction" um 16 Uhr, "Was ist Licht? - Einmal Wellenteilchen und zurück" um 18 Uhr und dem "The World at Night" Multivisionsvortrag, um 20 Uhr weiter. Abschließend ist ab 21 Uhr eine Feier.
IM INTERNET
Das aktuelle Programm und weitere Informationen gibt es unter www.weltraumtage.de.
© Darmstädter Echo, 20.02.2010
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